Jedem ist bestimmt schon einmal das schöne alte Gebäude am sonst eher sehr modern gehaltenen Torgauer Platz aufgefallen, indem sich heute eine Weinhandlung befindet.
Das Kuppelgebäude Baujahr 1900 ist das einzige Gebäude, welches von der Deutsch-Amerikanischen Maschinenfabrik von Ernst Kirchner & Co. noch steht, die ab1878 am Platz errichtet wurde. In einer Zeit, in der sich die Kosten für aus den USA importiertes Holz u.a. bedingt durch hohe Transportkosten stark verteuerte und gleichzeitig die Arbeitslöhne aber auch die Ansprüche der Konsumenten an die Qualität des Holzes stiegen, konstruierte die Firma Holzbearbeitungsmaschinen, die für wenig Holzverschnitt sorgten. Gleichzeitig lieferten die Maschinen eine Qualität, die bisher nur in Handarbeit hergestellt werden konnte. Schon 1887 beschäftigte die mit 17 Arbeitern gestartete Fabrik über 200 Menschen, die nach firmeneigenen Patenten die unterschiedlichsten Maschinen herstellten, aber auch Apparate zur Instandhaltung von Werkzeugen wie etwa Stanzmaschinen für Sägezähne oder Sägenschärfmaschinen. Die Produkte verkauften sich in alle Welt. Die Gewinne wurden u.a. auch wieder ins Werk investiert, in welchen die einzelnen Werkstätten mit Dampfheizung, Ventilation, Wasserleitung, elektrischer Beleuchtung sowie alle möglichen Schutzvorrichtungen versehen wurden. In der damaligen Zeit war dies eher ungewöhnlich. Ständig wurden Erweiterungsbauten notwendig, um die vielen Aufträge und neuen Erfindungen fertigen zu können. Als der Firmengründer 1926 starb beschäftigte die Firma 2.500 Menschen, ein Neffe übernahm die Geschäfte. Die Firma überlebte mit einigen Schwierigkeiten die Weltwirtschaftskrise und wurde 1946 verstaatlicht, nun war es der VEB Mihoma (Mitteldeutscher Holzbearbeitungsmaschinenbau). Die Ausrichtung änderte sich, der Betrieb stellte fortan Spannplatten für die Möbelindustrie der DDR her. Ab 1953 fertigte man hier Fräsmaschinen und ab 1970 Außenrundschleifmaschinen, die v.a. in die UdSSR verkauft wurden. Mit der Wende war Schluß, schon 1990 riss man das Werk großflächig ab. Der Kuppelbau blieb als einziges Relikt stehen, ursprünglich hatte dieser den Werkeingang der rechten Seite gebildet.






